Interaktive Veranstaltung

20. Juni 2017 – Jubiläumsveranstaltung „Verschiedeneinander“ im Kunstmuseum Magdeburg

- Eröffnungsrede -

 

Sehr geehrte Frau Staatssekretärin Möbbeck,

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Dr. Trümper,

Sehr geehrte Frau Dr. Laabs,

Sehr geehrte Arbeitspartner und Vereinsmitglieder und -mitarbeiter,

Liebe Kinder und Jugendliche,

Liebe Gäste,

im Namen des Vorstands von refugium möchte ich Sie recht herzlich hier im Kunstmuseum Magdeburg zu unserer Jubiläumsveranstaltung am heutigen Weltflüchtlingstag begrüßen. An einem Tag, an dem an die über 60 Millionen Flüchtlinge, die derzeit Schutz, Sicherheit und eine bessere Lebensperspektive und neue Heimat suchen, erinnert werden soll.

Ich freue mich sehr, dass aus einer ersten Idee heraus, unser 20- jähriges Vereinsbestehen mit der Ausstellung „Seht, da ist DER MENSCH“ zu verknüpfen und mit dem Kunstmuseum Magdeburg eine Kooperation zu gestalten, heute diese Veranstaltung resultiert. Aus diesem Grund möchte ich mich zunächst bei unserem Vereinsmitglied Guido Erbrich vom Roncalli-Haus Magdeburg als Ideengeber recht herzlich bedanken und natürlich bei Frau Dr. Laabs, der Leiterin des Kunstmuseums und ihren Mitarbeitern, vor allem Herrn Dr. Förster, die sich auf dieses Experiment mit uns eingelassen haben.

refugium e.V. kann in diesem Jahr auf ein 20-jähriges Engagement im Bereich der Vormundschaftsführung für Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF) in Sachsen-Anhalt zurückblicken und will dies im Jubiläumsjahr mit einer Veranstaltungsserie würdigen. Heute und hier nun der Auftakt.

Das Wort Refugium kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Zufluchtsort. Ein Zufluchtsort, der schützt und die auf der Flucht verbrauchten Lebenskräfte wieder stärkt, um wieder stabil und selbstbestimmt seinen Weg weiterzugehen. So ein Ort ist notwendig, um geflüchteten Kindern und Jugendlichen, die ihre Eltern verlassen mussten oder verloren haben, wieder Zuversicht zu geben. Mit Gründung unseres Vereins wollten wir diesen symbolischen Zufluchtsort schaffen.

refugium e.V. ist Träger der freien Jugendhilfe im Land Sachsen-Anhalt und korporatives Mitglied beim Caritasverband für das Bistum Magdeburg e. V. Er wird finanziert vom Land Sachsen-Anhalt und aus Spenden. 2016 hat Frau Ministerin Grimm-Benne vom Ministerium für Arbeit, Soziales und Integration die Schirmherrschaft übernommen. Seit 1997 haben die Mitarbeitenden des Vereins insgesamt 384 Vormundschaften geführt, wobei eine Vormundschaft in der Regel 2-3 Jahre läuft. Die Kinder und Jugendlichen kamen aus 49 Herkunftsländern. Seit der Gründung übernimmt der Verein nicht nur die Vormundschaften für UMF, sondern engagiert sich auch im flüchtlings- und gesellschaftspolitischen Kinderrechtsbereich und organisiert Angebote zur Beratung und Qualifizierung von ehrenamtlichen Vormündern. Über die vielen Jahre konnten so auch wertvolle Arbeitsbeziehungen und Kooperationen mit staatlichen und gesellschaftlichen Akteuren aufgebaut und gepflegt werden. Dafür auch hier unser Dank.

Unsere Arbeit war und ist motiviert von dem Gedanken den Menschen als einzigartiges Individuum mit seinen kulturellen, ethnischen, religiösen und biografischen Prägungen wahrzunehmen, ernst zu nehmen und zu respektieren und besonders schutzbedürftige Personen, wie Kinder zu schützen. Die Motivation ist das eine, der Alltag das andere, denn jeder von uns, ob hier geboren oder zugewandert, hat eine ganz eigene Vorstellung vom Menschsein und vom Leben in einer Gesellschaft, besonders vom Leben in einer für ihn fremden Gesellschaft. Wir sind eben verschieden und müssen verschieden miteinander füreinander sorgen.

In den 384 geführten Vormundschaften mussten sich die Vormünder unseres Vereins auf 384 verschiedene junge Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Fluchterfahrungen und unterschiedlichen Bedürfnissen einstellen und für sie individuelle Lebensperspektiven in einem oft sehr engen aufenthaltsrechtlichen Korsett entwickeln. Das war und ist eine verantwortungsvolle und oft auch konfliktreiche Arbeit, die nur mit viel Geduld, Kraft und vor allem Nächstenliebe erfolgreich ist. An dieser Stelle möchte ich unseren Mitarbeitern danken, die diese Herausforderung angenommen haben und sich Tag für Tag im Sinne des Kindeswohls engagieren.

Im Rahmen der aktuellen Ausstellung „SEHT, da ist DER MENSCH“ und unter dem Titel „Verschiedeneinander“ will der Verein heute Begegnung schaffen und Denkanstöße für die aktuelle Meinungsbildung zur Flüchtlings- und Integrationspolitik in Sachsen-Anhalt geben. Eingeladen sind deutsche und unbegleitete geflüchtete Jugendliche, staatliche, politische und gesellschaftliche Akteure im Bereich der Flüchtlingsjugendarbeit und interessierte Bürgerinnen und Bürger.

In einer aufgrund der Flüchtlingszuwanderung emotionalisierten Zeit, wo Ängste zu Ausgrenzungsmechanismen und Ablehnungshaltungen gegenüber Zugewanderten führen und wo Integrations- und Partizipationserfolge kaum Erwähnung finden, müssen wir Orte der Begegnung schaffen, wo sich Einheimische und Zugewanderte kennenlernen können und wo man sich auch über verschiedene kulturelle und religiöse Haltungen im Zusammenleben offen auseinandersetzen kann. Eine Gesellschaft kann sich nur im Dialog und in einer ständigen Selbstreflexion entwickeln! Das ist meine persönliche Überzeugung. Die Ausstellung zum Thema Mensch bietet für so einen Austausch eine hervorragende Plattform.

Vereinsmitglieder und-mitarbeiter, Kooperationspartner und Schülerinnen und Schüler haben diesen Tag vorbereitet. Dieses Zusammenwirken war eine tolle Erfahrung und gleichzeitig eine Bestätigung weiterhin gemeinsam an wichtigen Themen in unsere Gesellschaft zu arbeiten. Es gäbe noch vieles über unsere Arbeit zu berichten. Nicht alles findet Platz in einer Rede. Deshalb freue ich mich auf unsere heutigen Begegnungen und Gespräche, möchte auch auf unsere Wanderausstellung „Zukunftsbilder“, die im Kreuzgang zu sehen sein wird, verweisen und bedanke mich bei allen, die in den vielen Jahren mit uns zusammengearbeitet, uns finanziell unterstützt und vor allem uns ihr Vertrauen geschenkt haben. Bleiben Sie/Ihr uns weiterhin verbunden.

Ich möchte meinen Beitrag beenden mit einem Zitat eines ehemaligen Mündels von refugium, das mich bis heute beindruckt und zusammenfasst, wie viele unserer geflüchteten Jugendlichen denken: Li aus China hat 2010 während eines Kreativworkshop zu uns gesagt: „Wir haben alle verschiedene Sachen gemacht, die aber irgendwo immer dasselbe ausdrücken – das Streben nach Frieden, Glück und Liebe. Dies sind alles Dinge, nach denen Deutsche auch streben. Wir möchten also die gleichen Dinge, werden aber nicht als gleiche Menschen angesehen.“ Vielleicht ist dies der erste Denkanstoß!

 

Monika Schwenke

Vorsitzende

 

Galerie zur Interaktiven Veranstaltung im Kunstmuseum Magdeburg